Unsere Positionen zur Landtagswahl

Wir sind mittendrin im Superwahljahr. Die Europa- und die Kommunalwahlen liegen hinter uns. Die Ergebnisse geben wichtige Signale, wo Politik und Gesellschaft in die Auseinandersetzung gehen müssen. Wo es Überzeugung und Übersetzung braucht. Für welche Werte unsere Demokratie heute steht und warum sie eine wichtige Errungenschaft ist. Vor allem aber braucht es glaubwürdige Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit.

Für die AWO Thüringen gehört es zum Selbstverständnis, sich in gesellschaftliche und politische Diskurse einzumischen und diese mitzugestalten. Wir sind als Mitgliederverband und als professioneller Dienstleister eine wesentliche Stütze der öffentlichen Daseinsvorsorge und tragen soziale Verantwortung. Verantwortung für ein würdevolles Leben im Alter, Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche, eine gelungene Integration und Inklusion oder auch für aktive Gemeinwesen und Nachbarschaften.

Gerade in Zeiten von Wahlen möchten wir unsere Leistung und Verantwortung, aber auch unsere damit verbundenen Positionen und Forderungen in den öffentlichen politischen Diskurs tragen.

Deshalb haben im Vorfeld der Thüringer Landtagswahl in Kitas, Pflegeheimen, Kreisverbänden und Ortsvereinen nachgefragt, welche Herausforderungen und Probleme dort bewältigt werden müssen. Daran haben wir Positionen orientiert und in einem kurzen Papier zusammengefasst.

Wer wir sind und Wofür wir stehen, werden wir in den folgenden Monaten bis zur Wahl aufzeigen.
 

Teil 6: Digitalisierung


Ob privat oder beruflich, in der Stadt oder auf dem Land. Der Bedarf schneller Internetverbindungen ist enorm. „Sowohl für die Kommunikation mit Freunden als auch im Job braucht man ein funktionierendes und schnelles Internet. In unseren Zeiten ist das nicht nur in der Großstadt ein wichtiges Thema. Es ist notwendig, damit auch der ländliche Raum einerseits wettbewerbsfähig und attraktiv für die Wirtschaft und andererseits interessant und lebenswert für junge Menschen und Familien bleibt“, so Jonas Greiner, Kabarettist und Kreistagsmitglied aus Lauscha im Landkreis Sonneberg.

Das staatliche Handlungsfeld zur digitalen Landesentwicklung für städtische und ländliche Räume ist ein Schritt in die richtige Richtung. Gesundheit, Pflege, Mobilität, Versorgung: die Potentiale zum selbstbestimmten Leben und Wohnen können nur mit entsprechender Infrastruktur genutzt werden. Vorhaben und Strategien müssen in die Umsetzungsphase. "Digitalisierung ist der Schlüssel zu einem zukunftsfähigen Thüringen. Dabei darf auch der ländliche Raum nicht zu kurz kommen!", bringt Jonas Greiner die Sache auf den Punkt. In Kooperation und Partnerschaft ist es Anliegen und Anspruch der AWO Thüringen, diese Möglichkeitsräume zu nutzen und mitzugestalten.

Die gesamte Position zum Thema Digitalisierung, sowie das vollständige Positionspapier der AWO Thüringen zur Landtagswahl 2019 finden Sie hier.
 

Teil 5: Jugendarbeit


Bleiben oder Gehen? Die Antwort auf diese Frage entscheidet sich oft nicht zuletzt daran, wie mobil man sein kann. Was sich für die Städte in Thüringen als Attraktivitätsfaktor darstellt, ist für den ländlichen Raum schlichtweg ein Thema der allgemeinen Daseinsvorsorge. Umso mehr im Hinblick auf die demografische Entwicklung und die möglichen Bleibeperspektiven für Jugendliche nach Schule und Ausbildung.

"Als Azubi weiß ich, wie schwer es ist, von einem Ort zum anderen zu kommen. Gerade, wenn man eine schulische Ausbildung ohne Vergütung absolviert, ist es besonders schwer.“ Kevin Mansfeld, Vorstandsmitglied im Landesjugendwerk der AWO kennt die Problematik der Mobilität in Stadt und Land als junger Mensch in Ausbildung nur zu gut. „Man hat zwar die Möglichkeit, Bafög zu erhalten, dieses ist aber meist so gering, dass man damit gerade so mögliche Schulgebühren und eine Monatskarte für den ÖPNV bezahlen kann. Jeder sollte die Chance haben, eine Ausbildung seiner Wahl zu absolvieren.“

Es geht also nicht nur um die Attraktivität Thüringens durch ein funktionierendes und zugängliches ÖPNV-System, sondern auch um Bildungsgerechtigkeit. Deshalb fordert die AWO im Sinne ihrer Werte: Das Azubi-Ticket muss kommen!

Die gesamte Position zum Thema Jugendarbeit sowie das vollständige Positionspapier der AWO Thüringen zur Landtagswahl 2019 finden Sie hier.
 

Teil 4: Gesellschaft und Ehrenamt


Damit das Leben, der Zusammenhalt und die Gemeinschaft in den Orten und Gemeinden in Thüringen funktioniert, sind Ehrenamtliche und Aktive in Vereinen, Genossenschaften und Initiativen unverzichtbar. „Seniorennachmittage in der Begegnungsstätte, Unterstützung des Blutspendedienstes, Sportfest mit den Kindern der Kindergärten, diverse Feste im Jahresverlauf, Tanznachmittage, Handarbeitskreis, Kegelveranstaltungen und vieles mehr werden vom Ortsverein angeboten. Da kommen viele Stunden ehrenamtliches Engagement zusammen. 150 Veranstaltungen im Jahr müssen erst einmal geschafft werden. Dies geht nur gemeinschaftlich mit anderen Vereinen der Stadt und der Stadtverwaltung.“ So beschreibt Gudrun Becker, die Vorsitzende des AWO-Ortsvereins Stadtilm, die Leistungen des Ehrenamts vor Ort.
 
Dort wo sich staatliche Strukturen zurückziehen und die Einrichtungen der Daseinsvorsorge zum Luxus werden, sind die Menschen immer mehr auf die Selbstorganisation angewiesen. Hier braucht es stärkere und vor allem unkomplizierte Unterstützungsstrukturen. Auf die Frage, von wem sie finanzielle Unterstützung bekomme, kann sich Frau Becker jedoch das Lachen leider nicht verkneifen. „Es gibt zu viele bürokratische Hürden, Unterschriften und Formalien lähmen das Ehrenamt. Förderungen müssen einfacher möglich sein und breiter in die Vereine transportiert werden.“ Die Frage, was Ehrenamt für sie persönlich bedeutet, beantwortet sie mit einem Zitat von dem Schauspieler Ewald Balser: „Die Gesellschaft lebt von den Menschen, die mehr tun als ihre Pflicht“.

Die gesamte Position zum Thema Gesellschaft und Ehrenamt sowie das vollständige Positionspapier der AWO Thüringen zur Landtagswahl 2019 finden Sie hier.
 

Teil 3: Aktive Gemeinwesen


Ingrid Ries, verantwortlich als Quartiersmanagerin in zwei Ilmenauer Wohngebieten, geht es in ihrer Arbeit vor allem darum, die Bedürfnisse von Seniorinnen und Hilfsbedürftigen zu erfassen: „Die Menschen, die Hilfe und Unterstützung benötigen, dürfen uns nicht egal sein. Manchmal sind es auch nur kleine Dinge, die das Dasein verändern und lebenswerter gestalten“, sagt die AWO-Quartiersmanagerin.

Der Mensch mit seinen Bedürfnissen steht bei diesem Ansatz der Quartiersarbeit der AWO im Vordergrund. Aktive Gemeinwesen leben von Vernetzung, Freiräumen und gelebter Beteiligung. Damit dies funktioniert, braucht es die „Kümmerer*innen und Anpacker*innen“ vor Ort. „Wir müssen wirtschaftliche und gesellschaftliche Kräfte bündeln und mobilisieren, um Angebote und Strukturen in den Wohnquartieren zu etablieren. So schaffen wir Gemeinschaft und können z. B. gegen das Problem der Vereinsamung im Alter vorgehen“, beschreibt Ingrid Ries ihre Motivation und tägliche Arbeit. Die Förderung und Erhaltung einer sozialen und kulturellen Infrastruktur bildet dabei eine Grundbedingung zur Zufriedenheit der Menschen in lebenswerten Quartieren.
Mit den Quartiersmanagements bietet die AWO Anlaufpunkte, Beratungsstellen, Vernetzungs- und Treffpunkte für die verschiedensten Zielgruppen in den Wohnvierteln. Nur durch eine Verstetigung der sozialraumorientierten Arbeit können sich selbst tragende Netzwerk- und Nachbarschaftsstrukturen etabliert werden.

Die gesamte Position zum Thema Aktive Gemeinwesen, sowie das vollständige Positionspapier der AWO Thüringen zur Landtagswahl 2019 finden Sie hier.
 

Teil 2: Familie


Die Qualität in den Kindertagesstätten hängt ganz wesentlich von den vorhandenen Personalschlüsseln ab. Mehr Personal erfordert mehr finanziellen Aufwand. Doch das Thema Qualität in der Kita zeigt, dass nicht das Geld an sich, sondern die konkrete Verwendung dessen der entscheidende Punkt ist.135 Millionen Euro stellt der Bund im Rahmen des Gute-Kita-Gesetzes für Thüringen zur Verfügung. Die Länder können dabei selbst entscheiden, wie sie das Geld ausgeben. In Thüringen soll so nun unter anderem das zweite beitragfreie Kitajahr kommen.

„Bei unserer angespannten Personalsituation hätte ich mir mehr Mittel zur Verbesserung der Personalschlüssel gewünscht“, sagt Christiana Hellfritzsch, Einrichtungsleiterin der AWO Kita "Kinderland" in Pößneck. „Das Geld wäre deshalb direkt in den Einrichtungen für mehr Personal und bessere Personalschlüssel sinnvoller verwendet.“ So gehe die Mittelverwendung zur Ausweitung der Beitragsfreiheit zu Lasten der notwendigen Qualitätsverbesserungen, gerade im Bereich Personal, die in Thüringen unbedingt benötigt werden.

Die gesamte Position zum Thema Familie, sowie das vollständige Positionspapier der AWO Thüringen zur Landtagswahl 2019 finden Sie hier.
 

Teil 1: Alter & Pflege


Für eine qualitativ gute und bezahlbare Pflege braucht es eine bessere finanzielle Ausstattung der Pflegeversicherung und attraktive Löhne. Die Mehrkosten dürfen jedoch nicht von den Pflegebedürftigen getragen werden. Dafür stehen wir als AWO Thüringen.

Gisela Keitel ist Vorsitzende des Bewohnerbeirates in der AWO Seniorenresidenz „Haus am Wippertor“ in Sondershausen. Wenn sie die Diskussionen verfolgt, kann sie nur mit dem Kopf schütteln. „Alle Parteien fordern höhere Löhne für Altenpfleger. Und die sollen ja auch mehr verdienen, keine Frage. Das ist ein harter Job und der muss gut bezahlt werden“, sagt Gisela Keitel. Doch wo das Geld herkommen soll, darüber schweigen sich die Politiker aus. „Und dann wird es letzten Endes auf dem Rücken von uns Heimbewohnern ausgetragen“, konstatiert die 88-Jährige.

Denn die Pflegeversicherung ist derzeit ein so genanntes Teilkaskomodell. Sie zahlt Pflegebedürftigen lediglich einen festen, gesetzlich definierten Zuschuss, abhängig von der Pflegestufe. Steigen in einem Pflegeheim die Löhne, werden neue Azubis eingestellt oder der Personalschlüssel verbessert, ändert sich an der Leistung der Pflegeversicherung gar nichts. Statt dessen steigen die Kosten für die Heimbewohner.
Um das System zu ändern, hat die AWO beim Deutschen Bundestag die Petition „Eigenanteil bei stationärer Pflege begrenzen!“ erfolgreich eingereicht. Die AWO schlägt vor, das bisherige System umzukehren: Die Kassen würde dann alle notwendigen pflegebedingten Kosten übernehmen. Die Versicherten tragen einen einheitlichen, gesetzlich festzulegenden Eigenanteil. Tariferhöhungen, bessere Personalschlüssel oder mehr palliative Betreuung bezahlen dann nicht mehr die Pflegebedürftigen, sondern die Solidargemeinschaft. „Die Politik muss schon etwas dazu geben“, sagt Gisela Keitel. „Wir Heimbewohner können das auf Dauer nicht alleine stemmen.“

Die gesamte Position zum Thema Pflege und Alter, sowie das vollständige Positionspapier der AWO Thüringen zur Landtagswahl 2019 finden Sie hier.