Ambulante Pflege im ländlichen Raum unter Druck

Wenn Wege teurer werden, gerät Versorgung in Gefahr

Die ambulante Pflege ist auf Mobilität angewiesen – und die AWO Thüringen ist in ganz Thüringen, vor allem im ländlichen Raum, mit ihren Diensten unterwegs. Steigende Spritpreise treffen diese Versorgungsstruktur deshalb besonders.

Die Pflegedienste des Wohlfahrtverbandes planen Touren so effizient wie möglich und bündeln derzeit Fahrten, wo es geht. Gleichzeitig sind die Spielräume begrenzt: Pflegedienste müssen an sieben Tagen der Woche eine Versorgung ihrer Patient*innen sicherstellen – diese Versorgung kann nicht einfach verdichtet oder reduziert werden.

Die Kosten für die erforderlichen Wege zwischen den einzelnen Patient*innen werden über eine Wegepauschale abgebildet, die in Thüringen bislang aber die Herausforderungen des ländlichen Raumes nicht abdeckt. Die zusätzlichen Kosten lassen sich zudem nicht ohne Weiteres ausgleichen.

Eine Rechnungslegung gegenüber den Pflegebedürftigen ist nicht möglich. Dies würde einerseits die Kosten der Pflege weiter verteuern – die Pflegeversicherung ist aktuell nur eine „Teilkaskoversicherung“ – andererseits verschärft die derzeitige Lage an den Tankstellen die wirtschaftliche Situation der Pflegedienste. Die Vergütung ambulanter Pflege bildet die tatsächlichen Bedingungen im ländlichen Raum bislang nur unzureichend ab.

„Wir fahren jeden Tag zu den Menschen – auch über weite Strecken. Diese Versorgung darf nicht daran scheitern, dass Wege nicht mehr bezahlbar sind. Für uns ist klar: Wir stehen für eine verlässliche Versorgung vor Ort. Gleichzeitig wächst der wirtschaftliche Druck. Wenn ambulante Pflege in der Fläche gesichert werden soll, braucht es dafür eine grundsätzliche Finanzierung, die diese Realität stärker berücksichtigt und eine Sofortlösung für die aktuelle Lage, deren Ende aktuell noch nicht absehbar ist“, fordert Katja Glybowskaja, Geschäftsführerin des AWO Landesverbandes in Thüringen.

Die AWO mahnt bereits seit fast einem Jahrzehnt eine grundlegende Reform der Pflegeversicherung an – unter anderem durch die Einführung einer solidarischen Bürgerversicherung. Die bisherigen Reformansätze reichen nicht aus, um die zentrale Herausforderung zu lösen: eine verlässliche Finanzierung der Pflege bei gleichzeitig steigender Zahl pflegebedürftiger Menschen. Die demografische Entwicklung verschärft die Lage – insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern. Der Rückgang der Geburtenzahlen und die zunehmende Alterung der Bevölkerung führen zu sinkenden Erwerbstätigenzahlen und gleichzeitig zu einem deutlichen Anstieg des Pflegebedarfs.

Die derzeitigen Beitragsanpassungen der Pflegeversicherung mildern das strukturelle Finanzierungsproblem allenfalls kurzfristig ab. Es braucht endlich eine langfristige, tragfähige Lösung und eine klare politische Zusage zur Sicherung der Pflege in Deutschland.

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