AWO Landesverband Thüringen beschließt Auflagen für Regionalverband Mitte-West-Thüringen

Konsequenzen aus extern begleitetem Revisionsverfahren – Maßnahmen stärken Führung, Aufsicht und Compliance-Strukturen

Verantwortung, Transparenz und klare Strukturen sind zentrale Maßstäbe guter Unternehmens- und Verbandsführung der Arbeiterwohlfahrt. Auf dieser Grundlage hat der AWO Landesverband Thüringen Konsequenzen aus dem extern begleiteten Revisionsverfahren im Regionalverband Mitte-West-Thüringen gezogen und verbindliche Maßnahmen zur Korrektur, Verbesserung und Weiterentwicklung von Führung, Aufsicht und Organisation im Regionalverband beschlossen.

Der Landesverband hatte im August 2025 in Wahrnehmung seiner Aufsichtsfunktion gegenüber den insgesamt 17 Kreis- und Regionalverbänden sowie ihren Gesellschaften der AWO in Thüringen ein umfangreiches Prüfungsverfahren im AWO Regionalverband Mitte-West-Thüringen eingeleitet.

Anlass waren anonym eingegangene Hinweise, die unter anderem Fragen der Führungspolitik, der Unternehmensführung sowie der wirtschaftlichen Situation und des Umgangs mit Finanzmitteln betrafen. Um eine sachliche, unabhängige und rechtssichere Klärung zu gewährleisten, beauftragte der Landesverband eine externe Anwaltskanzlei mit der umfassenden Prüfung dieser Hinweise.

Die Anonymität der hinweisgebenden Personen wurde dabei durch besondere Vereinbarungen umfassend geschützt – auch gegenüber dem Landesverband als Auftraggeber. Das Verfahren wurde vom Regionalverband ausdrücklich begrüßt und konstruktiv begleitet. Die Überprüfung wurde Ende Januar 2026 abgeschlossen.

Im Ergebnis konnten die Vorwürfe zur wirtschaftlichen Lage und zum Umgang mit Finanzmitteln ausgeräumt werden. Der Regionalverband ist stabil und leistungsfähig aufgestellt. Gleichzeitig hat die Prüfung strukturelle Fehlentwicklungen aufgezeigt – insbesondere mit Blick auf eine verantwortungsvolle Unternehmensführung, die Einhaltung von Compliance- und Mitbestimmungsstandards sowie ein zu jeder Zeit an den AWO-Werten ausgerichtetes Führungshandeln.

„Der AWO Regionalverband Mitte-West-Thüringen ist mit über 3.200 Mitgliedern unser größter Mitgliedsverband in Thüringen. Seine rund 1.200 Mitarbeitenden leisten dort täglich wertvolle Arbeit in der Betreuung und Beratung von Menschen jeden Alters. Gute und vertrauensvolle Rahmenbedingungen für die Mitarbeitenden ebenso wie für die betreuten Menschen zu sichern, ist unser gemeinsamer zentraler Anspruch. Das Revisionsverfahren hat deutlich gemacht, wie eng eine werteorientierte Führungskultur, klare Unternehmensführung und verlässliche Mitbestimmung miteinander verbunden sind. Unsere Aufgabe ist es, diese Maßstäbe auf Grundlage der bundesweit geltenden Leitlinien und Werte der Arbeiterwohlfahrt zu sichern.“, erklärt Petra Rottschalk, Landesvorsitzende der AWO Thüringen.

Auf Grundlage der Ergebnisse des Prüfverfahrens hat der geschäftsführende Landesvorstand in seiner Sitzung am 26. Januar 2026 ein verbindliches Maßnahmenpaket, welches konkrete Auflagen und Empfehlungen umfasst, beschlossen und dieses mit dem AWO Bundesverband abgestimmt. Die Maßnahmen dienen der nachhaltigen Stärkung der organisatorischen, rechtlichen und strukturellen Stabilität des Regionalverbandes. Sie umfassen insbesondere die verbindliche Klärung von Führungs- und Entscheidungszuständigkeiten, die Stärkung von Mitbestimmungs- und Beteiligungsrechten, die Weiterentwicklung von Compliance- und Kontrollverfahren sowie eine verbesserte Steuerung und Berichterstattung gegenüber den Aufsichtsgremien.

Das Präsidium und der Vorstand des Regionalverbandes wurden im Rahmen eines Anhörungsverfahrens über die Ergebnisse und die daraus abgeleiteten Maßnahmen in Kenntnis gesetzt. In den kommenden Tagen werden auch die Mitarbeitenden des Regionalverbandes und weitere Gremien durch den Landesverband über das Verfahren und die nächsten Schritte unterrichtet und eingebunden.

Die erteilten Auflagen sind innerhalb festgelegter Fristen durch das Präsidium und den Vorstand des Regionalverbandes verbindlich umzusetzen und werden vom Landesverband eng begleitet. Bei Nichterfüllung sieht das verbandliche Aufsichtsrecht Konsequenzen von der formalen Rüge bis hin zum Entzug der Markennutzung vor. Ergänzend plant der Landesverband die Einrichtung einer Ombudsstelle mit einer unabhängigen Vertrauensperson, an welche sich Mitarbeitende und Mitglieder künftig vertrauensvoll wenden können.

Claudia Mandrysch, Vorständin des AWO Bundesverbandes, bewertet das Verfahren wie folgt: „Der AWO Landesverband Thüringen ist mit den eingegangenen Vorwürfen äußerst sachgerecht und professionell im Sinne eines effektiven Compliance-Management-Systems umgegangen. Die frühzeitige Einleitung einer unabhängigen externen Prüfung sowie der Schutz der hinweisgebenden Personen waren wichtige Schritte zur Aufklärung und Sicherung des Vertrauens in die Strukturen der AWO.

Erfreulich ist, dass viele der Vorwürfe unter anderem zur wirtschaftlichen Situation und zum Umgang mit den finanziellen Mitteln des Regionalverbandes ausgeräumt werden konnten. Gleichwohl ist ein einwandfreies Verhalten der Führungspersonen, die eine Vorbildfunktion einnehmen und eine besondere Verantwortung für die Mitarbeitenden übernehmen, für uns nicht verhandelbar – dies unterstreichen auch unser Wertekanon, das AWO-Grundsatzprogramm sowie das AWO-Verbandsstatut und der AWO-Governance-Kodex deutlich.

Das Präsidium des Regionalverbands muss sicherstellen, dass die Führung des Regionalverbands zukünftig frei von Beanstandungen ausgeübt wird, um erneute Belastungen für die Mitarbeitenden und den Verband zu verhindern und damit das Vertrauen in den Verband nachhaltig zu sichern und zu stärken. Hier haben wir als AWO eine Verpflichtung gegenüber all unseren Ehrenamtlichen und Mitarbeitenden. Die Einrichtung einer unabhängigen Ombudsstelle ist hierbei ein wichtiger Schritt.“

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