AWO Thüringen zur Debatte um das Teilzeitrecht

Wer das Teilzeitrecht infrage stellt verschiebt strukturelle Probleme auf die Beschäftigten

Katja Glybowskaja, Geschäftsführerin der AWO Thüringen, blickt mit Sorge auf die aktuelle Debatte um eine mögliche Einschränkung von Teilzeitarbeit. Unabhängig davon, welche Berufsgruppen konkret betroffen wären, greift die Diskussion aus Sicht der AWO zu kurz und blendet zentrale Lebensrealitäten vieler Beschäftigter, vor allem im Bereich sozialer Arbeit aus. Teilzeit ist kein „Lifestyle-Phänomen“ und auch keine Frage von Bequemlichkeit, sondern für sehr viele Menschen eine notwendige Voraussetzung, um Erwerbsarbeit mit Sorgearbeit, gesundheitlichen Belastungen oder familiären Verpflichtungen vereinbaren zu können. Gerade in sozialen Berufen – in Kindergärten, Jugendhilfe, Pflege und Beratung – ist Teilzeit häufig die einzige Möglichkeit, dauerhaft im Beruf zu bleiben.

Wer den gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit infrage stellt, verschiebt die Verantwortung für strukturelle Probleme einseitig auf die Beschäftigten. Der Fachkräftemangel lässt sich nicht durch den Abbau von Arbeitnehmerrechten lösen, sondern durch bessere Arbeitsbedingungen, verlässliche Dienstpläne, ausreichende Personalschlüssel und eine faire Finanzierung sozialer Infrastruktur.

Als AWO Thüringen stehen wir für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und für eine Arbeitswelt, die den Menschen dient. Eine Einschränkung des Teilzeitrechts würde insbesondere Frauen und Beschäftigte in sozialen Berufen treffen und damit bestehende Ungleichheiten weiter verschärfen.

Wir erwarten von der Politik differenzierte Lösungen, die den tatsächlichen Bedingungen in sozialen Berufen Rechnung tragen. Nur so lassen sich Fachkräfte halten und neue gewinnen – im Interesse der Beschäftigten ebenso wie der Menschen, die auf soziale und pflegerische Unterstützung angewiesen sind.

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