AWO Thüringen zur Gewinnung vietnamesischer Auszubildender

AWO Thüringen setzt auf faire, gut strukturierte internationale Ausbildung und betreut vietnamesische Auszubildende intensiv

Nachdem ein Ausbildungsbetrieb im Altenburger Land mehr als 20 vietnamesische Auszubildende monatelang ohne Lohn beschäftigt hatte und ihnen nach Kündigung und Entzug der Ausbildungsermächtigung auch die Abschiebung drohte, gibt es aktuell von der AWO Thüringen Angebote für die jungen Erwachsenen. Die AWO steht dazu bereits mit dem Jobcenter in konkreten Verhandlungen, um einige der Azubis in ihre Einrichtungen im Altenburger Land und in Thüringen zu übernehmen. 

Vor diesem Hintergrund unterstreicht die AWO Thüringen zudem ihren eigenen Ansatz zur internationalen Fachkräftegewinnung und -ausbildung: eine faire, rechtskonforme und verantwortungsvolle Vorbereitung und Begleitung über den gesamten Prozess hinweg — von der Auswahl in Vietnam über die sprachliche und fachliche Qualifizierung bis hin zur Integration in Thüringer Pflegeeinrichtungen.

„Faire Anwerbung bedeutet für uns, jungen Menschen verlässliche Perspektiven, faire Bedingungen und echte Begleitung zu bieten – ohne finanzielle Risiken, ohne falsche Versprechen und mit klaren Rechten“, erklärt Katja Glybowskaja, Geschäftsführerin der AWO Thüringen.

Ganzheitliche Vorbereitung in Vietnam

Mit dem Aufbau einer eigenen AWO-Klasse am Goethe-Institut in Hanoi hat die AWO Thüringen ein strukturiertes Modell geschaffen, in dem angehende Pflegefachkräfte intensiv auf die Ausbildung und das Leben in Deutschland vorbereitet werden. In festen Lerngruppen mit bis zu 20 Personen lernen die Teilnehmenden Deutsch bis mindestens zum Niveau B2 und erhalten berufskundliche wie kulturelle Orientierung. Die AWO Thüringen begleitet diese Programme kontinuierlich durch regelmäßige Austausche und Lernstandsgespräche. Aktuell absolviert die erste AWO-Klasse den B1-Sprachkurs in Hanoi (17 Teilnehmende), und eine zweite AWO-Klasse mit 25 Teilnehmenden startet im kommenden Monat. Nach erfolgreicher Sprach- und Anerkennungsphase ist ein Ausbildungsbeginn in Thüringen für September 2026 vorgesehen.

Die Auswahl der Teilnehmenden erfolgt transparent bei Bewerbungsgesprächen vor Ort in Vietnam. Es gelten klare, datenschutzkonforme Kriterien, die Freiwilligkeit ist gewährleistet. Vermittlungsgebühren werden nicht erhoben; die AWO Thüringen orientiert sich an internationalen Standards fairer Anwerbung nach Leitsätzen der ILO und WHO und arbeitet ausschließlich mit zertifizierten, verlässlichen Partnern zusammen.

Enge Kooperation mit Behörden und Partnern

Die frühzeitige Klärung von Visa-, Aufenthalts- und Anerkennungsverfahren ist ein zentraler Bestandteil des Programms. Dafür kooperiert die AWO Thüringen mit Thüringer Ministerien, dem Landesverwaltungsamt und Partnern wie dem Goethe-Institut in Vietnam, um Übergänge gut planbar und möglichst reibungslos zu gestalten. Auch nach der Ankunft in Thüringen erhalten Auszubildende umfassende Unterstützung: Systematische Sprachförderung, ergänzt durch digitale Lernangebote und Fachsprachkurse, Mentoring durch erfahrene Fachkräfte im Pflegeteam, Sozialpädagogische Begleitung bei Wohnungssuche, Behördenwegen, Alltagsfragen und in Belastungssituationen. Dieses mehrstufige Betreuungsmodell trägt wesentlich dazu bei, stabile Ausbildungsverläufe zu sichern und Abbruchquoten zu senken. Gleichzeitig werden die bestehenden Teams durch Schulungen zur interkulturellen Sensibilisierung und sprachsensible Führung vorbereitet. Integration wird so als gemeinsame Aufgabe verstanden.

Weitere Kooperationen zur Gewinnung von Pflegefachkräften

Parallel zu den AWO-Klassen in Vietnam absolvieren 16 weitere vietnamesische Auszubildende bereits seit dem Vorjahr ihre Pflegeausbildung bei der AWO Thüringen. Sie sind über ein Projekt der AWO-Tochtergesellschaft IBS nach Thüringen gekommen und werden ebenfalls eng begleitet. Auch die Kooperation mit vietnamesischen Hochschulen zur Gewinnung von Pflegefachkräften, insbesondere in Da Nang, wird weiter ausgebaut. Zudem steht ein weiteres Projekt zur Gewinnung von Pflegefachkräften aus Indien kurz vor dem Start.

Langfristiges Ziel ist der Aufbau stabiler, rechtskonformer internationaler Partnerschaften, die nachhaltige Ausbildung, faire Arbeitsbedingungen und echte Perspektiven verbinden. „Für die AWO Thüringen ist internationale Ausbildung mehr als Fachkräftesicherung: Sie ist Ausdruck von Verantwortung, Respekt und nachhaltiger Personalentwicklung. Die jungen Menschen aus Vietnam und anderen Ländern sollen nicht nur eine Ausbildung absolvieren, sondern dauerhaft Teil der AWO-Gemeinschaft werden – fachlich, menschlich und gesellschaftlich“, bekräftigt Katja Glybowskaja.

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