Anonymes Schreiben überschreitet Grenze legitimer Kritik

Der AWO- Landesverband Thüringen wurde über den Versand eines weiteren anonymen Schreibens der sogenannten „AWO-Insider/AWO-Reformierer“ informiert, das erst über den Bundesverband an uns übermittelt wurde. Zudem haben uns einzelne Gliederungen mitgeteilt, dass auch sie dieses Schreiben gestern erhalten haben. Nach eigener Darstellung knüpft es an ein anonymes „Dossier“ aus August 2025 an. Die dort erhobenen Vorwürfe gegen eine Gliederung wurden im Rahmen eines unabhängigen, extern durchgeführten und inzwischen abgeschlossenen Revisionsverfahrens umfassend geprüft. Die damaligen Behauptungen wurden strukturiert aufgearbeitet. Eine sachliche Grundlage für fortgesetzte Spekulationen besteht nicht.

Das nun erneut anonym versandte Schreiben geht jedoch bewusst darüber hinaus: Es konstruiert in reißerischer und vorverurteilender Sprache neue Vorwürfe mit pauschalen Unterstellungen, die jedoch bewusst so unkonkret bleiben, dass sie einer sachlichen Einlassung und Überprüfung nicht zugänglich sind. Es greift namentlich Verantwortliche aus Gremien des AWO Landesverbandes Thüringen sowie der AWO AJS gGmbH an und kündigt bereits einen weiteren „Bericht“ an. Zudem werden weitere Gliederungen in Thüringen adressiert. Das vollständige Schreiben liegt uns vor. Betroffene Kreis- und Regionalverbände erhalten die sie betreffenden Passagen gesondert. 
Es ist offenkundig, dass das Schreiben am Landesverband und den dort angegriffenen Personen vorbei an Medien, Mandatsträger und externe Dritte landes- und bundesweit gezielt gestreut wurde um ohne Tatsachengrundlagen maximalen politischen und öffentlichen Druck zu erzeugen.
Struktur, Sprachwahl und Detailtiefe knüpfen teilweise wortgleich an das erste anonyme Schreiben an. Die Ausführungen lassen auf gezielte Binnenkenntnisse schließen, die selektiv mit öffentlich zugänglichen Informationen vermengt werden. Die Behauptung, es handele sich um einen fachlichen Diskussionsbeitrag, ist ersichtlich vorgeschoben. Hieran fehlt es in jeder Hinsicht. Tatsächlich liegt ein koordinierter Positions- und Reputationsangriff vor.

Auffällig ist die strategische Auswahl konfliktträchtiger Themen, die Verwendung juristisch aufgeladener Begrifflichkeiten sowie eine systematische moralische Delegitimierung handelnder Akteure und demokratisch legitimierter Prozesse. Der explizite Bezug zur Causa Hack, die wiederholte Suggestion struktureller Fehlsteuerung und die erkennbare politische Rahmung sind kein Zufall, sondern Teil einer gezielten Dramatisierungsstrategie.

Besonders deutlich wird dies in der wiederholten Verwendung des Begriffs „Altparteien“. Dieser Begriff entstammt eindeutig dem populistischen Vokabular der AFD und dient der pauschalen Diskreditierung demokratischer Institutionen. Die indirekte Einordnung der AWO in ein institutionskritisches Narrativ ist kein sachlicher Beitrag, sondern der Versuch politischer Instrumentalisierung. Auch die Forderung der Verfasser*innen, Strukturen und Ausrichtungen der AWO stärker an aktuelle politische Kräfteverhältnisse in Thüringen anzupassen, offenbart die eigentliche Stoßrichtung: Es geht nicht um Aufklärung, sondern um politische Einflussnahme.
Die Kombination aus selektivem Detailwissen, bewusst gesetzten Deutungsverschiebungen und der Ankündigung weiterer „Berichte“ zeigt klar eine Eskalationsstrategie. Ziel ist ersichtlich die Verunsicherung von Aufsichtsgremien, Partnern und Beteiligter sowie die nachhaltige Beschädigung der Handlungsfähigkeit unseres Verbandes.
Wir benennen diese Strategie klar – ohne uns davon treiben zu lassen. Der Landesverband wird sich weder von anonymen Anschuldigungen noch von orchestrierten Zuspitzungen unter Druck setzen lassen. Zur weiteren Prüfung haben wir neben unserem Justiziariat und dem Compliance-Ausschuss der AWO AJS gGmbH auch externe juristische Berater eingeschaltet. Wir prüfen mit der gebotenen Konsequenz – sachlich, rechtlich fundiert und strukturiert.
Gleichzeitig machen wir deutlich: Anonyme Kampagnen ersetzen keine überprüfbaren Fakten. Wer Verantwortung fordert, muss auch Verantwortung für seine Aussagen übernehmen. Die gezielte Verbreitung nicht verifizierter Vorwürfe mit politischer Meinungsmache überschreitet die Grenze legitimer Kritik.

Uns ist bewusst, dass derartige Schreiben Irritationen auslösen können. Genau darauf zielen sie ab. Umso wichtiger ist jetzt Geschlossenheit, Professionalität und Klarheit. Solidarität bedeutet für uns, Verantwortung gemeinsam zu tragen und uns nicht von anonymen Angriffen und Rufmordkampagnen spalten zu lassen.
Sollten sich im Rahmen der laufenden Prüfung belastbare Sachverhalte ergeben, werden wir konsequent und transparent handeln. Ebenso konsequent werden wir jedoch Versuche zurückweisen, unseren Verband, seine Organe und Mitarbeitenden politisch zu instrumentalisieren oder reputativ zu beschädigen.

Kritik ist legitim. Anonyme Eskalationsstrategien sind es nicht.

Gerade jetzt ist es entscheidend, dass wir als Thüringer AWO souverän, geschlossen und handlungsfähig bleiben. Wir stehen für rechtsstaatliche Verfahren, demokratische Legitimation und verantwortungsvolle Verbandsführung – und werden diese Prinzipien weder relativieren noch unter Druck setzen lassen.
 

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