AWO Thüringen zieht positive Bilanz ihrer Vietnam-Reise

21 Nachwuchskräfte für die Pflege gewonnen

Arbeitsverträge und Ausbildungszusagen übergeben – Pflegekabinett eröffnet – Hochschulpartnerschaften gestärkt und neue Kooperationen angebahnt
21 junge Nachwuchskräfte für die Thüringer Pflege, ein neues Pflegekabinett zur Vorbereitung auf deutsche Pflegestandards und vielversprechende Gespräche über weitere Hochschulkooperationen: Die AWO Thüringen zieht eine positive Bilanz ihrer Delegationsreise vom 3. bis 9. Oktober nach Vietnam.

Ziel der Reise war es, die internationale Fachkräftegewinnung weiter auszubauen, bestehende Partnerschaften zu festigen und neue Kooperationen für eine langfristige Sicherung des Pflegepersonals in Thüringen anzubahnen.

Besonders greifbar sind die Ergebnisse bei der Gewinnung zukünftiger Pflegefachkräfte: Fünf angehende Pflegefachkräfte erhielten beim vietnamesischen Partner German Competence Academy (GCA) ihre Arbeitsverträge für den künftigen Einsatz in Einrichtungen der AWO Thüringen. Weitere 16 Schüler*innen der zweiten AWO-Klasse am Goethe-Institut in Hanoi bekamen Einstellungszusagen für ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft in Thüringen ab kommenden Jahr. Alle 16 haben das Sprachniveau A2 erfolgreich abgeschlossen und lernen inzwischen auf B1-Niveau weiter.

Dass das Konzept funktioniert, zeigt bereits die erste AWO-Klasse: Ihre Teilnehmer*innen sind nach anderthalbjähriger Vorbereitung im August in Thüringen angekommen und haben ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft begonnen. Mit der zweiten AWO-Klasse in Hanoi wird dieser Weg nun fortgesetzt.

„Der Fachkräftemangel in der Pflege wird uns in Thüringen in den kommenden Jahren noch stärker beschäftigen. Internationale Fachkräftegewinnung ist deshalb für uns ein wichtiger zusätzlicher Baustein. Entscheidend ist aber, dass wir dabei langfristig denken. Wir wollen Menschen gewinnen, die gut vorbereitet nach Thüringen kommen und hier beruflich und persönlich eine Perspektive finden. Die Ergebnisse dieser Reise zeigen, dass die Strukturen, die wir gemeinsam mit unseren Partnern in Vietnam aufgebaut haben, funktionieren“, sagt Andreas Krauße, Geschäftsführer der AWO AJS gGmbH.

 

Praxisnahe Vorbereitung beginnt bereits in Vietnam

Ein weiterer wichtiger Schritt ist das gemeinsam mit der GCA entwickelte AWO-Pflegekabinett, das während der Reise übergeben wurde. Dort können sich angehende Pflegefachkräfte bereits während ihrer Sprachausbildung praktisch mit deutschen Pflegestandards, Arbeitsabläufen und Fachbegriffen vertraut machen. Sprachliche und fachliche Vorbereitung werden so von Beginn an miteinander verbunden.

Ergänzt wird dies durch eine interkulturelle Vorbereitung auf das Leben und Arbeiten in Deutschland. Dabei geht es auch um ganz praktische Unterschiede im Berufsalltag – etwa darum, dass Kritik in Vietnam häufig vorsichtiger und indirekter formuliert wird, während in Deutschland eine direkte Rückmeldung üblich ist.

 

Neue Hochschulkooperationen in Aussicht

Auch auf institutioneller Ebene brachte die Reise wichtige Fortschritte. In Da Nang wurde die bestehende Zusammenarbeit mit der Universität für Medizin und Pharmazie weiter vertieft. Zudem führte die Delegation Gespräche im dortigen Ministerium für Inneres und Arbeit.

An der größten medizinischen Universität Vietnams in Hanoi signalisierte der Dekan Interesse an einer zukünftigen Zusammenarbeit mit der AWO Thüringen und dem Freistaat Thüringen. Ein Schwerpunkt ist der Abgleich der Ausbildungscurricula: Gemeinsam soll geprüft werden, welche Kenntnisse und Kompetenzen die Absolvent*innen bereits mitbringen und welche zusätzlichen Inhalte sie für die Anerkennung und die spätere Tätigkeit als Pflegefachkraft in Deutschland benötigen. Perspektivisch könnten diese Inhalte bereits während der Ausbildung in Vietnam oder in einer ergänzenden Vorbereitung vermittelt werden.

Auch an der Universität für Medizin und Pharmazie in Hue verliefen erste Gespräche über eine mögliche Kooperation vielversprechend. Darüber hinaus stellte die Delegation zahlreichen Studierenden und Dozierenden die AWO Thüringen und die beruflichen Perspektiven in der Pflege vor.

 

Langfristige Perspektiven statt kurzfristiger Anwerbung

Die AWO Thüringen setzt bei der internationalen Fachkräftegewinnung auf einen langfristigen Ansatz. Sprachliche und fachliche Qualifizierung sowie interkulturelle Vorbereitung beginnen bereits in Vietnam. Nach der Ankunft werden die neuen Kolleg*innen unter anderem bei Anerkennungsverfahren und Behördengängen, beim Wohnen und Ankommen in Thüringen sowie durch feste Ansprechpartner*innen und ein Mentoring in den Einrichtungen begleitet.

Für die Rekrutierung gilt zudem das Employer-Pays-Prinzip: Die Bewerber*innen zahlen keine Vermittlungsgebühren. Ziel ist es, den internationalen Fachkräften nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern eine langfristige berufliche und persönliche Perspektive in Thüringen zu bieten.

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